„Das Orchester“ – die Zeitschrift mit dem größten Stellenmarkt für OrchestermusikerInnen weltweit
das Orchester 6/2026
Musik wirkt
Die ersten Laute, die ein Säugling produziert, sind musikalische emotionale Kommunikation. Der Säugling artikuliert seine Bedürfnisse, Hunger, Angst, Kälte, Übermüdung. Mutter oder Vater singen ein Wiegenlied und der Säugling beruhigt sich. Musik wirkt. Und wenn die Mutter die Brust gibt, dann enthält die Milch nach dem Wiegenlied mehr Bindungshormon, Oxytocin – das Neurohormon, das bedingungsloses Vertrauen und Entspannung programmiert. Ausgerechnet eine Studie einer Wissenschaftlerin aus dem Iran, einem Land, in dem Frauen in der Öffentlichkeit nicht singen dürfen, hat dies kürzlich bewiesen.1 Laura Cirelli hat darüber hinaus gezeigt, dass Mütter der ganzen Welt intuitiv wissen, wie sie mit leisen, langsamen Liedern ein zu aufgeregtes Baby beruhigen oder mit kräftigem, rhythmisch betontem Gesang ein zu passives aktivieren, um es zum Trinken zu ermuntern.
> weiterlesenEin sommerlicher Abend 2013 in Vilnius. Orgelkonzert. Ein kopierter Programmzettel, ein gemischtes Publikum, keine Pause, keine Auftritte und Abgänge. Und plötzlich zwei Wirklichkeiten im selben Raum. Der Musikwissenschaftler Christian Thorau schildert diese Szene gern als sein Schlüsselerlebnis. Eine viersätzige Orgelsonate war im Programmzettel nicht als geschlossenes Werk mit Binnenstruktur gekennzeichnet. Stattdessen erschienen die einzelnen Sätze wie autonome Stücke. Ein Teil des Publikums – die „Programmzettelnutzer“ – interpretierte die Sätze folglich als Werke verschiedener Komponisten. Andere hörten ohne Zettel. Das Resultat: zwei parallele Hörrealitäten!
> weiterlesenKlassische indische Musik umgibt oft eine Aura des Geheimnisvollen. Sie wird als meditativ, komplex, vielleicht sogar esoterisch wahrgenommen. Lange, pausenlose musikalische Sequenzen, eine ungewohnte Tonsprache und aufwendige Improvisationen können Neugier wecken – aber auch Distanz schaffen.
Doch klassische indische Musik ist weder mystische Abstraktion noch ornamentaler Exotismus. Sie ist eine streng strukturierte, historisch kontinuierlich entstandene Kunstform mit klar definierter Grammatik, Pädagogik und ästhetischer Philosophie.
Gleich zu Beginn die gute Nachricht: Es gibt sie längst, vielgestaltig und zahlreich, die neuen Ideen und Formate für zeitgemäße Konzerte. Gleich hinterher die schlechte: Sie kosten mehr, weil sie mehr Menschen mit kreativer Energie brauchen zum Ausdenken und mehr Zeit, um sie zu entwickeln und mit allen auszuprobieren.
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> weiterlesenEs herrscht geschäftiges Treiben, die erwartungsvolle Nervosität ist buchstäblich greifbar. Gleich soll die gemeinsame Probe beginnen mit den Münchner Symphonikern unter ihrem Chefdirigenten Joseph Bastian. Als die Probe losgeht, gibt es kein Halten mehr. „Hast du etwas Zeit für mich“, singt Fabian Moraw lautstark ins Mikrofon. Das Orchester bietet die passende Grundierung: von dieser ersten Strophe bis zum finalen „99 Jahre Krieg“. Bis heute sind die 99 Luftballons von Nena eben ein Dauerhit, und nicht nur Fabian geht beim Singen ganz schön ab.
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