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Janaček, LeosDie Sache MakropulosSymphonische Suite für Orchester, StudienpartiturPublisher: Universal Edition, Wien 2009 category: Scores published in: das Orchester 04/2010, Page 71 |
Eine ausgewachsene Oper, reduziert auf 31 Spielminuten, ein Opernensemble, das ganz ohne Sänger auskommt, und eine Story, die immer noch zu den ungewöhnlichsten Operngeschichten gehört: Die Sache Makropulos gibt es auch als symphonische Suite. Dirigent und Komponist José Serebrier schuf diese Bearbeitung, die in dunkelroter Studienpartitur vorliegt, schon 1995. Jetzt hat UE sie noch einmal neu aufgelegt.
Leos Janaceks Die Sache Makropulos ist in der Aufführungspraxis nicht ganz so publikumswirksam wie seine anderen späten Opern. Denn in Makropulos sind weniger fokloristische Elemente zu hören – hier dominiert eine gemäßigt moderne Musiksprache, die eindeutig in die Zukunft gerichtet ist und dem Ohr des ausschließlich Entspannung suchenden Hörers zu viel Zündstoff bietet. Der Oper liegt ein tschechisches Libretto nach einer Erzählung Karel Capeks zugrunde. Max Brod hat jedoch schon bald nach der Uraufführung die deutsche Version geschaffen.
Im Zentrum steht die Sängerin Emilia Marty (eigentlich Elina Makropulos), die durch einen Zaubertrank nicht altert und nun schon stolze 300 Jahre zählt. Doch bleiben, wann immer sie auch erscheint, ihre Initialen (E. M.) gleich. Ein uralter Erbschaftsstreit, den sie durch ihr jahrhundertealtes Wissen aufklären kann, sowie einige amouröse Verwicklungen und deren Folgen erlösen sie jedoch vom ewigen Leben.
Diese prallbunte Oper hat José Serebrier, in Südamerika aufgewachsener Dirigent und Komponist mit russischen und polnischen Wurzeln, auf gut 140 Partiturseiten gebannt. Serebrier wird häufig als Nachfolger Stokowskys gefeiert. Tatsächlich sieht man schon beim Durchblättern der Partitur seiner symphonischen Suite zu Makropulos bunte Klangfarben und schöne Sounds leuchten. Das mit vielen Holzbläsern bestückte Orchester ist durchgehend farbenfroh instrumentiert und die wichtigsten musikalischen Motive der Oper kommen in dieser Version klar zum Tragen.
Sicher, eine Oper ohne Sänger ist eigentlich gar keine. Doch bietet eine kürzere symphonische Version eben auch die Möglichkeit, diese abgespeckte Musik innerhalb einer Konzerthälfte unterzubringen. Auch ist nun kein großer Opernapparat erforderlich, um Die Sache Makropulos auf die Bühne zu bringen.
Dem echten Opernfreund mag es als akustische Light-Version nicht munden, doch dem unvoreingenommenen Musikgenießer kann diese klangvolle Orchesterversion eine schöne halbe Stunde bereiten. Auch können, da diese Bearbeitung nicht vor spieltechnischen Problemen strotzt, Jugend- und Liebhaberorchester nun diese Musik mit guten Erfolgsaussichten auf ihre Pulte legen.
Heike Eickhoff
