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Metzmacher, Ingo

Vorhang auf!

Oper entdecken und erleben


Publisher: Rowohlt, Berlin 2009
category: Books
published in: das Orchester 01/2010, Page 66


"Vorhang auf! Oper entdecken und erleben" von Ingo Metzmacher kann man als Komplementärbeitrag zum ersten Buch des Dirigenten, Keine Angst vor neuen Tönen (2005), verstehen. Metzmacher (*1957), der in einer musikalisch traditionell denkenden Familie aufwuchs, erkannte während seines Studiums, dass er „die Diskrepanz zwischen der ästhetischen Welt, in der er sich bewegte, und dem realen Leben um ihn herum nicht länger ertragen konnte“, so Julia Spinola in Die großen Dirigenten unserer Zeit. Aus solcher Zerrissenheit rettete sich Metzmacher durch Kontakte zum Ensemble Modern; es folgte eine Mitarbeit an der Frankfurter Oper während er Ägide Michael Gielens.
Metzmachers Beziehung zur Musik ist vielfältiger Natur. Während seiner Zusammenarbeit mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, welche mit der aktuellen Saison ausläuft, erkundete er beispielsweise das Phänomen „Von deutscher Seele“, wofür das gleichnamige Oratorium Hans Pfitzners thematisch Pate stand. Die vorangegangene dreijährige Amtszeit in Amsterdam beendete er mit Messiaens "Saint François d’Assise"; er bot aber auch einen Mozart/da Ponte-Zyklus. Für die Salzburger Festspiele 2010 ist die Uraufführung von Wolfgang Rihms "Dionysos" vorgesehen. Das noch im Entstehen begriffene Werk bildet das Schlusskapitel von Vorhang auf!, eine faszinierende Schilderung eines Work in Progress. Bei Friedrich Nietzsche, welcher die Grundlage des Librettos liefert, lockt Rihm besonders, „dass er das, was bereits bezeichnet ist, neu benennt… und damit klar macht, dass auch Begriffe, Worte leben müssen. Sonst verstopfen sie das Denken“. Diese Worte könnten auch für Metzmachers Engagement gelten.
Der Schwerpunkt des Buchs liegt in persönlich formulierten Werkbetrachtungen, beginnend mit Monteverdis "L’Orfeo", endend wie erwähnt bei Rihms "Dionysos": Operngeschichte von den Anfängen bis heute. In einer Reihe von Zwischenkapiteln mit der Überschrift „Verwandlung“ schildert Metzmacher die szenische Entstehung von Alban Bergs "Wozzeck" während seiner Hamburger Zeit (1997 bis 2005). Werktitel und Regisseur werden nicht expressis verbis genannt. Der Name Peter Konwitschny taucht erst später auf. Produktionsdaten zu den erwähnen Opern fehlen generell – kleiner Schönheitsfehler.
Gibt es ein Lieblingswerk? Bei Metzmacher darf man vermuten, dass ihm stets das aktuelle Projekt am Herzen liegt. Seine Anmerkungen zu Leos Janáceks "Jenufa" allerdings lassen eine besondere seelische Gestimmtheit erkennen: „Wer sie erlebt hat, wird die Welt anders begreifen. Es gibt keine menschlichere Musik.“ An solchen emotional gesättigten Bekenntnissen ist Ingo Metzmachers Buch reich und macht einem den Autor sympathisch. Mit Peter Konwitschny ist er eins in der Überzeugung, dass man sich einem Werk zu nähern habe, „als begegnet man ihm zum ersten Mal“. Das dürfte so manche radikale szenische Lösung nachvollziehbar machen.
Christoph Zimmermann




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