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Werner-Jensen, ArnoldJoseph HaydnPublisher: C. H. Beck, München 2009category: Books published in: das Orchester 07-08/2009, Page 63 |
Dass das Haydn-Bild sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt hat, daran haben die Forschungen von H.C. Robbins Landon und besonders Ludwig Finscher starken Anteil. Gerade auf die Veröffentlichungen von Finscher ("Joseph Haydn und seine Zeit") bezieht sich denn auch Arnold Werner-Jensen in seinem schmalen Bändchen bei Beck, das anlässlich des Haydn-Jahres – der Komponist starb vor 200 Jahren in Wien – Leben und Werk beleuchtet. Im engen Rahmen einer Taschenbuchveröffentlichung von knapp 130 Seiten Persönlichkeit und Schaffen eines der bedeutendsten und einflussreichsten Musiker der Geschichte zu beleuchten, ist eine Herausforderung, der sich Werner-Jensen, der schon bei Reclam eine Reihe von Musikführern veröffentlicht hat, mit einigem Erfolg stellt.
Es geht dem Musikwissenschaftler und aktiven Pianisten und Cembalisten besonders darum, Vorurteile, die das Haydn-Bild lang prägten, nachhaltig zu korrigieren, wobei er immer wieder auf die schon aufgeführten bedeutenden Grundlagenarbeiten zurückgreift. So räumt Werner-Jensen in seinem knapp gehaltenen, aber informativen Überblick über das Leben des Musikers mit der Ansicht auf, dass Haydn „ein schlichtes Gemüt“ gewesen sei und über keine gefestigte literarische (oder sonstige) Bildung verfügt hätte. Was sicher auch zum falschen Bild des freundlichen, aber wenig tiefsinnigen „Papa Haydn“ beigetragen haben dürfte…
Knapp skizziert wird der soziale, politische, geistesgeschichtliche und musikalische Hintergrund von Haydns Leben, wobei Faktoren, die für die künstlerische Entwicklung des Musikers wichtig waren, im Vordergrund stehen. Das Persönlichkeitsbild bleibt eher vage, seine unglückliche Ehe oder weitere persönliche Beziehungen werden nur gestreift. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Jahre im fürstlichen Dienst vor allem in Esterháza und die großen London-Reisen mit ihren prägnanten Auswirkungen. Sehr greifbar zeichnet Werner-Jensen die europäische Bedeutung Haydns um 1800 nach, als man in ihm den bedeutendsten Komponisten seiner Zeit sah. Dies belegt der Autor denn auch im knapp gehaltenen Überblick über das immense Schaffen Haydns. Dass es durch die Platzvorgaben dabei nur zu Überblickskapiteln reicht, ist verständlich.
Dass Werner-Jensen Haydn als Komponist der Oratorien "Die Schöpfung" und "Die Jahreszeiten", die nicht nur für sein Gesamtwerk besondere Bedeutung hatten, etwas oberflächlich behandelt, überrascht. Ebenso muss man sich der insgesamt eher negativen Meinung über das Opernschaffen des Komponisten nicht anschließen. Trotz ihrer Kürze sind hingegen die Kapitel über die Sinfonien und Streichquartette sehr informativ geraten. Obwohl Haydn beide Gattungen nicht „erfand“, wird hier doch gut nachvollziehbar, welch entscheidenden Anteil der Komponist für die Konstituierung dieser im öffentlichen Bewusstsein zuvor noch nicht so entscheidend hervorgetretenen Gattungen hatte. Zudem gelingt es Werner-Jensen, den Einfluss auf die Nachgeborenen (Mozart, Beethoven) zumindest zu skizzieren. Ein gelungener Überblick über die problematische Rezeptionsgeschichte des Schaffens von Haydn sowie eine ansprechende biografische Übersicht runden den lesenswerten Band ab.
Walter Schneckenburger
