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Abilgaard, Peer

Good health

How to ensure and maintain it


category: Essay
published in: das Orchester 02/2009, Page 10


On the occasion of the 9th conference of the German Society for Music Physiology and Music Medicine (DGfMM), Peer Abilgaard invites a broader discussion on the factors influencing the health of professional musicians. In particular, he asks for greater attention to positive, individual stimuli. Instead of pathogenesis, a stronger focus on "salutogenesis" is required. The article by Möller gives an overview of such factors that can help to improve psychological and physiological coping mechanisms and thus strengthen general wellbeing. Based on Antonovsky's concept of a "sense of coherence", Spahn presents a classification of four behavioural and attitudinal profiles that impact on professional wellbeing. The central factor, however, she argues, is the meaningfulness of music itself. The next article, by Altenmüller, discusses the physiological and developmental origins of the joy in making music, the goose skin-, or chill-, effect. He considers behavioural and hormonal factors, as well as the music types most likely to cause somatic reactions. It thus appears, as Esch then argues, that professional musicians can develop immediate access to the salutogenic potential of music, both on a neurobiological level and that of social psychology, reducing the strains inherent to the profession. On a more organizational level, Fendel discusses the institutions responsible to ensure the health of musicians. Apart from the individual him- or herself, these are mainly employers, professional associations, and health insurance companies. One of the most satisfying experiences for musicians is playing "in the flow". As Burzik argues, learning to achieve this state constitutes a paradigm shift, away from conscious, often rigid methods of training, towards a new openness to "let things emerge". Like instrumental play, singing can contribute to good health, but it is also a risk factor. Richter therefore recommends a "preventive attitude" under consideration of age and other physiological factors, and co-operation with specialist practitioners. In the final article, Schuppert gives a short overview of health protection for musicians since the 1920s, although great strides, she states, were only made since the 1980s through international networking, conferences, and the establishment of teaching courses.

Seit ihrer Gründung 1994 verfolgt die Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin (DGfMM) u. a. eine Verbesserung der medizinischen Versorgung der Musiktreibenden, Förderung der Wissenschaft, Forschung und Lehre im Bereich der Physiologie des Musizierens und die Interdisziplinäre Zusammenarbeit derer, die an der Ausbildung und Berufsbegleitung von Musikern beteiligt sind. Der in diesem Zusammenhang häufig zitierte Vergleich von Berufsmusikern mit Leistungssportlern hat nach wie vor seine Berechtigung. Beide Berufsgruppen müssen sich bei ihrer Berufsausübung auf die völlige Integrität ihres Körpers und ihres Geistes verlassen können. Mit dem erheblichen Unterschied, dass Leistungssportler in der Regel mit spätestens Mitte 30 aus dem Aktivendasein ausscheiden – und Berufsmusiker weitere 30 Jahre erst noch vor sich haben.

Und wie hoch und ungewöhnlich diese berufsbedingten Belastungen sind, wurde in den vergangenen 20 Jahren eindrucksvoll dargestellt und wissenschaftlich belegt. Aber ist diese Perspektive der Hervorhebung der Defizite – wenn die Presse „Elend aus dem Orchestergraben“(1) titelt – wirklich die ganze Wahrheit? Ist der Musikerberuf ein Hochrisikoberuf? Ja und nein. Ja insofern, als die Belastungen tatsächlich groß sind und einer breiten Öffentlichkeit immer noch verborgen bleiben, Erkrankungen tabuisiert werden und fachliche Hilfe oft nicht ausreichend vorhanden ist. Ja bedeutet dann aber auch, das Leid zu würdigen, um sich in einem zweiten Schritt für eine Verbesserung der medizinischen und pädagogischen Versorgung der Berufsmusiker zu engagieren. Nein heißt andererseits aber, nicht bei der Betrachtung der Defizite stecken zu bleiben und nicht nur die Krankheit zu betrachten, sondern zu fragen, was schützt vor ihr. Und weiter: Wenn die Erkrankung schon nicht vermeidbar war, wie ist sie von anderen erfolgreich bewältigt worden? Was sind die Persönlichkeitsmerkmale, die es uns erlauben, mit körperlichem und/oder psychischem Stress leichter umzugehen?

Ressourcen stärken

Die Wissenschaft hat hierzu in den vergangenen Jahren einige neue, wichtige Aspekte offen gelegt. So wurden beispielsweise Humor, Glaube an die Sinnhaftigkeit und Bewältigbarkeit von Belastungen als so genannte protektive Faktoren objektiviert.(2) Neben diesen allgemeinen Aspekten gibt es aber auch ganz persönliche, individuelle Eigenschaften, die den Umgang mit Leid (besser) bewältigen lassen.(3) Nach der persönlichen Schilderung der Krankheitsgeschichte im ärztlichen Gespräch wäre die einfache Frage des Arztes: „Wie haben Sie das eigentlich geschafft, all dieses Leid auszuhalten?“, oft sehr aufschlussreich; sie wird aber in den wenigsten Praxen dieser Welt gestellt. Dabei gäbe sie so viel Aufschluss über die Ressourcen, die Begabungen eines Menschen mit Stress umzugehen. Diese Ressourcen weiter zu stärken, wäre oft ein einfacher Weg zu einer guten Besserung, der die Individualität des Einzelnen respektiert. Für die meisten Pädagogen ist diese Haltung, „Stärken zu stärken, damit die Schwächen schwächer“ werden, sehr vertraut. Die „Leute da abzuholen, wo sie stehen“, wäre auch in medizinisch-therapeutischen Kontexten oft eine Bereicherung.

Musiker sind meiner Erfahrung nach hinsichtlich dieser ressourcenorientierten Sichtweise sehr inspirierend für Ärzte, Therapeuten, Pädagogen und Betroffene gleichermaßen. Natürlich wirkt Musik- (ma chen) an sich schon protektiv;(4) Musikern wird aber auch von den strukturellen Gegebenheiten ihres Alltags eine hohe Problemlösefähigkeit abverlangt. Anregend kann auch das Studium berühmter Künstlerpersönlichkeiten sein: Wie haben es denn ein Bach, ein Beethoven oder ein Schostakowitsch angesichts so viel persönlichen Leids geschafft, nicht nur nicht mit dem Komponieren aufzuhören, sondern Musik zu schaffen, die Wege aus dem Leid weist? Anlässlich der Tagung in Köln referierten Musiker, Pädagogen, Neurowissenschaftler, Psychotherapeuten, Körpertherapeuten und Ärzte. Neben den Vorträgen gab es auch Raum für den Austausch und das Ausprobieren. Im Angebot waren Workshops für Therapieformen wie Alexandertechnik, Feldenkrais, Yoga, Atemschulen, „Üben im Flow“ und Qi-Gong, die von vielen Musikern als hilfreich erachtet werden.

1 Der Spiegel, 2/07, S. 192.
2 Martin Seligman: Der Glücks-Faktor, New York 2003; Aaron Antonovsky: Salutogenese – Zur Entmystifizierung der Gesundheit, Tübingen 1997; Luise Reddemann: Überlebenskunst, Stuttgart 2006.
3 Walter Samsel/Helmut Möller: „Ergebnisse einer Befragung über Berufsperspektiven“, in: Musikphysiologie, Musikermedizin, 3/06, S. 86-98.
4 Andreas Burzik: „Üben im Flow“, in: Ulrich Mahlert (Hg.): Handbuch Üben, Wiesbaden 2006, S. 37 ff.

> Internationaler Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin: 26. bis 28. März 2009 in Freiburg
 




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