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Schumann, Robert / Robert VolkmannCello Concertosinterpreter: Peter Bruns (Cello), Mendelssohn Kammerorchester Leipzig, Ltg. Jürgen BrunsPublisher: Hänssler Classic 98.594 category: CDs published in: das Orchester 09/2010, Page 66 |
„...doch man sieht nur die im Lichte, die im Dunklen sieht man nicht.“ Es ist keine geringe Leistung, unsere Aufmerksamkeit auf „Schattenkomponisten“ zu lenken und diese ein wenig aus ihrer unglücklichen, häufig unverdienten Lage zu befreien. Viele kleinere CD-Labels widmen sich bevorzugt dieser Aufgabe, und schon darum verdient die vorliegende Produktion Lob. Besonders aufschlussreich sind solche Begegnungen, wenn „Schatten“ und „Licht“ nebeneinander zu erleben sind: Robert Schumann und Robert Volkmann waren Zeitgenossen, sie sind sich zweifellos persönlich begegnet, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war auch Volkmann ein sehr bekannter und geschätzter Komponist. 1815 als Sohn eines sächsischen Kantors geboren, verbrachte er viele Jahre als Chorleiter, Organist und Lehrer in Budapest und wurde insbesondere für seine Orchester- und Kammermusikkompositionen gerühmt. Warum also führt Volkmann heute ein Schattendasein?
Sein durchkomponiertes Cellokonzert orientiert sich formal an einsätzigen Hybriden wie der Liszt’schen h-Moll-Sonate, verrät aber in seiner Sprache Einflüsse der Schumann-Mendelssohn-Sphäre. „Die Einen halten mich immer noch für einen Zukunftsmusiker, während Andere einen Zopf an mir sehen wollen“, klagte er und beschrieb darin das Fundamentaldilemma vieler romantischer Komponisten im deutschen Sprachraum. Beim Hören der vorliegenden Aufnahme sind wir indes kaum geneigt, Volkmann als „Neudeutschen“ einzustufen: Weder sein Cellokonzert noch seine attraktiven Piècen für Cello und Klavier oder das gemütvolle Andante mit Variationen für drei Celli – charmante Beigaben zu den beiden Cellokonzerten auf dieser CD – lassen Liszt-Wagner’sche Töne anklingen, sondern bewegen sich eher im Milieu gehobenen Serenadentons. Rundum gut komponierte Musik, in ihrer melodischen Erfindung das Banale nicht immer vermeidend und allerdings – zumal in Schumanns Nachbarschaft wird dies spürbar – von einer Neigung zu formelhaften Sequenzen heimgesucht.
Im Dunklen zu stehen hat Volkmann indes keineswegs verdient.
Zumal, wenn seine Musik so hinreißend, klangschön und in blitzblanker Perfektion dargeboten wird wie vom Leipziger Cellisten und Hochschulprofessor Peter Bruns und „den Seinen“, genauer: der Pianistin Annegret Kuttner, mit der er bereits eine CD mit französischer Musik vorgelegt hat, seinen Schülern Jakob Stepp und Gregor Nowak und dem von Bruder Jürgen Bruns dirigierten Mendelssohn Kammerorchester Leipzig, einer jungen Formation, die sich aus Mitgliedern des Gewandhausorchesters und freiberuflichen Kammermusikern zusammensetzt und von der Leipziger Presse als „spannendstes Projekt in der Musikstadt Leipzig“ bezeichnet wurde. Ganz nebenbei enthält diese CD eine spektakulär gelungene (Livemitschnitt-)Neuaufnahme des berühmten Schumann-Konzerts. Was soll man mehr rühmen: Bruns’ wunderbar sehnigen Ton, seine perfekte Technik oder das kammermusikalische Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester?
Gerhard Anders
