journalSearchform

rezension


Wagner, Richard

Das Rheingold

Interpret: Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar, Ltg. Carl St. Clair, Regie: Michael Schulz
Verlag/Label: Arthaus DVD 101353
Rubrik: DVDs
erschienen in: das Orchester 12/2009, Seite 71


Richard Wagners Der Ring des Nibelungen kann inzwischen auch für die größeren Opernhäuser der Bundesrepublik eine Herausforderung darstellen. Dass das Nationaltheater Weimar sich unter Aufbietung aller Kräfte zwischen 2006 und 2008 an dieses Projekt wagte, erwies sich als eine insgesamt überzeugende Demonstration der Leistungsfähigkeit des Hauses, wobei die Staatskapelle Weimar unter ihrem damaligen Chefdirigenten Carl St. Clair, der inzwischen die Chefposition der Komischen Oper in Berlin übernommen hat, den Anforderungen am überzeugendsten begegnete. Unter seiner weiträumig disponierenden Leitung kann die sehr konzentriert agierende Weimarer Staatskapelle ihre klangliche Flexibilität ebenso wie die Kraft zu machtvollen Aufschwüngen demonstrieren.
St. Clair trifft den Parlando-Ton des Vorabends der Tetralogie ebenso wie er mit seinem Orchester die Balance zwischen fast kammermusikalischer Transparenz und machtvollen Klangeruptionen trifft.
Aber wie der optisch sehr ansprechende DVD-Mitschnitt des Rheingold aus dem Jahr 2008 zeigt – inzwischen wurde der gesamte Ring aufgezeichnet –, hat auch Regisseur Michael Schulz einen sehr diskussionswürdigen Weg zum Vorabend der Tetralogie gefunden. Es ist ein sehr theatralischer, das Spiel in den Mittelpunkt rückender szenischer Zugang, der sich bestens nachvollziehen lässt. Schulz lässt, bevor das Vorspiel zu Rheingold erklingt, Kinder Auszüge aus dem Prolog zu „Siegfrieds Tod“ sprechen. Von hier aus nimmt eine spannende theatralische Reise ihren Ausgangspunkt, die mit den Mitteln der Bühne eine märchenhafte Geschichte um den Raub des Goldes und die Gier aller Beteiligten erzählt. Die auch durch ihre ausgefeilte Personenführung überzeugende Weimarer Inszenierung zeigt den theatralischen Charakter des Ganzen, arbeitet mit raffinierten, immer wieder gebrochenen Bildern, mit ironischen Verweisen, erzählt aber insgesamt stringent die Geschichte, die nur im Untergang münden kann. Raffinierte optische Unterstützung erfährt Schulz dabei von seinem Bühnenbildner Dirk Becker und der für die Kostüme verantwortlich zeichnenden Renée Listerdal.
Bei der Sängerbesetzung haben die Männerstimmen einen klaren Vorteil. Weder die höhengeschärften Rheintöchter (Silona Michel, Susann Günther-Dissmeier, Christiane Bassek) noch die zu sehr auf die keifende Göttergattin reduzierte Fricka von Christine Hansmann können letztlich überzeugen. Die Erda von Nadine Weissmann hingegen ist mehr als rollendeckend. Aus dem sehr ausgewogenen Männerensemble ragen die markanten Gegenspieler Wotan, von Mario Hoff trotz einer angegrauten Höhe mit flexiblem Heldenbariton gesungen, und sein Gegenspieler Alberich (Tomas Möwes) heraus. Möwes’ machtvoller Bariton bietet eine ergreifende Studie des rachsüchtigen Nibelungen. Erin Caves als Loge in Brad-Pitt-Maske singt die Partie mit flexiblem, zu manchen Zwischentönen fähigem Tenor. Renatus Mészár und Hidekazu Tsumaya als Fasolt und Fafner stehen insgesamt ebenso wie Alexander Günther und Jean-Noel Briend als Donner und Froh und der wendige Mime von Frieder Aurich für die Qualität des Männerensembles des deutschen Nationaltheaters Weimar.
Walter Schneckenburger




Suche

Suchbegriff


in Ausgabe







 


zur Detailsuche

© Schott Music | Impressum / Kontakt